Der Medienentwicklungsplan ist bares Geld wert. Und nicht nur das.

Anja Stein
Tobias Erles, Lehrkraft Bergstraßen Gymnasium Hemsbach

Tobias Erles ist Sport- und Englisch-Lehrer am Bergstraßen-Gymnasium Hemsbach

Teil1: Der DigitalPakt kam dem Bergstraßen-Gymnasium Hemsbach gerade recht

Erster! Um Fördergelder aus dem DigitalPakt Schule abrufen zu können, brauchen Schulen einen Medienentwicklungsplan. Das Bergstraßen-Gymnasium in Hemsbach war die erste Schule, die einen solchen Plan zertifizieren ließ. Die Initiative dazu ergriff Tobias Erles, Englisch- und Sportlehrer mit einem Gespür für nachhaltige Digitalisierung. In Teil 1 des Interviews erklärt er, wie es dazu kam und welche Vorteile der MEP seiner Schule einbrachte.

Am Bergstraßen-Gymnasium gab es auch schon vor der Förderung durch den DigitalPakt Schule Tablet-Klassen. Tobias Erles war auch hier maßgeblich an der Umsetzung begteiligt, mehr darüber in Teil 2 unseres Gesprächs.

Der MEP ist eine gute Verhandlungsbasis

An Ihrer Schule gab es den landesweit ersten zertifizierten Medienentwicklungsplan!

Ja, das war natürlich stark. Das war eine Ehre und wir haben uns bestätigt gefühlt. Jetzt haben wir in vielen Situationen eine bessere Verhandlungsbasis. Nicht nur mit dem Schulträger, sondern zum Beispiel auch mit Eltern. Wenn die Schule einen MEP erstellt hat, hat sie eine Idee und eine Vorstellung. Das gibt ihnen eine gewisse Selbstständigkeit und zeigt, dass technische Lösungen die didaktischen Möglichkeiten extrem erweitern.

Wie kam es überhaupt dazu, dass das Bergstraßen-Gymnasium so früh und so schnell einen Medienentwicklungsplan entworfen hat?

Wir arbeiten schon seit vier Jahren mit Tablets an der Schule. Am Anfang hatten wir eine Ausstattung mit Beamern und Routern, die man in jeden Klassenraum mitnehmen musste. Das funktionierte, war aber nicht ideal. Also haben wir uns stetig weiterentwickelt und setzten uns das Ziel, dass wir ein oder zwei Zimmer vollständig ausstatten wollten. Da stellte der DigitalPakt eine tolle Gelegenheit dar. Es war klar, dass man einen Medienentwicklungsplan braucht, um diese Mittel zu bekommen und wir waren sofort bereit, unsere Ideen und auch Ziele in die Form eines MEP zu bringen.

Der MEP bringt Struktur in bereits vorhandene Ansätze

Würden Sie sagen, dass es sich gelohnt hat, einen MEP zu machen?

Auf jeden Fall. Zunächst pragmatisch: Wir haben Geld bekommen und dadurch wurden Dinge möglich, von denen wir vorher nur geträumt haben. Durch den MEP sind uns aber auch viele Dinge bewusster geworden. Beim Einordnen unserer Struktur in den Rahmen des MEP haben wir festgestellt, dass uns Aspekte fehlten, wir haben aber auch festgestellt, dass wir unglaublich viele Voraussetzungen schon erfüllen konnten und nur die Beschreibung dazu noch fehlte. Der Medienentwicklungsplan ist auch gut für Schulen, die noch nicht so weit sind. Dann ist er der Startschuss, sich mit dem Thema Digitalisierung zu befassen. Der MEP hilft, das Risiko zu verringern, dass Tausende von Euro in Geräte fließen, die letztlich ungenutzt in Schulen rumstehen und verstauben.

Sie geben schon seit Jahren Fortbildungen zum Thema „Mobiles Lernen“. Sie sind also durchaus medienaffin?

Also ich bin kein Informatiker, aber schon so ein bisschen ein Spinner. Aber ich würde auch sagen, dass man technisches Interesse und Lösungsorientierung braucht, wenn man einen MEP starten will. Hier kann auch jemand von einem Medienzentrum oder ein externer Berater unterstützen.

Können sich bei der Erarbeitung des MEP auch Kolleginnen und Kollegen einbringen, die nicht außerordentlich medienaffin sind?

Auf jeden Fall. Dafür braucht es auch Profis, die technisch nicht besonders versiert sind, sich aber z.B. mit Lernzugängen auskennen. Wenn es dann heißt „Wir haben Schülerinnen und Schüler, die audiovisuell besser lernen,” kann der Techniker sagen „Ok, ich hätte einen Vorschlag, wie man das technisch umsetzen oder unterstützen könnte.“ Ich finde, das muss Hand in Hand gehen. An anderen Schulen habe ich auch schon erlebt, dass alles Mögliche an Gerätschaften angeschafft wurde und erst dann kam die Frage: „Was machen wir denn damit überhaupt?“ Das darf natürlich nicht passieren. Man muss den Mittelweg finden.

„Wir haben quasi die Vorteile aller erprobten Dinge zusammengestellt“

Was haben Sie mit den Geldern aus dem DigitalPakt Schule angeschafft?

Dabei ging es vorrangig um die Anzeigegeräte in den Klassenzimmern. Wir haben viel experimentiert und im Endeffekt hat sich eine Lösung herausgestellt, mit der wir optimal arbeiten können und die auch sehr nachhaltig ist: Wir haben unsere Kreide-Tafeln durch Whiteboard-Tafeln ausgetauscht. Dazu nutzen wir Kurzdistanzbeamer, die oben an der Tafelanlage installiert sind. Wir haben digitale Stifte, mit denen man an die Tafel schreiben und das wieder löschen kann, man kann aber z.B. auch ein PDF auf die Tafel laden und darin dann Text markieren. Durch den DigitalPakt können wir alle Klassenzimmer gleichwertig ausstatten.

Ich werde oft gefragt, weshalb wir keine Displays angeschafft haben, also große Bildschirme. So ein großes Display liegt bei 4500 Euro oder mehr. In einem Klassenzimmer ist viel los, da fliegt auch mal etwas durch den Raum oder ein Stuhl rutscht gegen die Tafel. Bei unseren Whiteboards interessiert das nicht, aber so ein Display wäre schnell kaputt und müsste vermutlich entsorgt werden. Wenn ein Teil unserer Anlage defekt ist, kann man es kostengünstig austauschen und ist schnell wieder startklar.

Das sind Erfahrungen aus den Versuchen, die wir über die Jahre gemacht haben. Wir haben quasi die Vorteile aller erprobten Dinge zusammengestellt und das über den Digitalpakt für alle Klassenzimmer angeschafft. Außerdem haben wir einen neuen Server angeschafft, eine WLAN-Struktur aufgebaut, also genau das umgesetzt, wofür der DigitalPakt gedacht ist. In Kombination mit dem, was bereits vorhanden war, können wir jetzt perfekt arbeiten.

Tipps für die Gestaltung eines Medienentwicklungsplans

Haben Sie ein paar Tipps für Schulen, die sich jetzt an einen MEP machen?

In meinen Augen ist es extrem wichtig, den Schulträger mit an Bord zu haben, aber die Schule muss, entscheiden, was angeschafft wird. Es hilft nicht, wenn ein Herr im Rathaus sagt „Ich habe hier ein tolles Angebot, nehmt das!“. Es hilft auch nicht, wenn der Schulträger Dinge anschafft, die nur kurzfristig funktionieren. Wenn man zum Beispiel einen Tablet-Koffer anschafft, muss man auch Apps und Lizenzen dazu kaufen und das ist ein ständig laufender Posten, der mitbedacht werden muss. Von anderen Schulen, die bereits mit einem gewissen System arbeiten, kann man sich beraten lassen. Es kann auch sinnvoll sein, die Lösung einer anderen Schule, auf die eigene Situation angepasst, zu übernehmen, damit man sich gegenseitig helfen kann. Wichtig ist auch, sich zu überlegen, was wirklich sinnvoll ist. Braucht man wirklich einen 3D-Makerspace? Es ist meiner Ansicht nach besser, etwas kleinere Brötchen zu backen und möglichst sicher zu gehen, dass eine Lösung lange funktioniert.

Das LMZ bietet Unterstützung bei der Erstellung eines MEP an. Z.B. eine Applikation, die Schritt für Schritt zum fertigen Plan führt, aber auch eine einfache Word-Vorlage und natürlich Expertinnen und Experten, die beratend zur Seite stehen können. Haben Sie diese Hilfen in Anspruch genommen?

How to MEP“ sowie die Rückmeldung nach der ersten Durchsicht vom LMZ haben mir sehr geholfen. Immer wenn ich eine Frage hatte, bekam ich seitens des LMZ lösungsorientiertes Feedback und hilfreiche Vorschläge. Das war auf jeden Fall ganz, ganz wichtig und absolut spitze.

Unterstützungsangebote zur Medienentwicklungsplanung

Teil 2: Tablet-Klassen in fünf Jahrgangsstufen

Anja Stein

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