Das Emoji macht die Musik – Unterrichtsmaterial zu Kommunikation im Netz

Madeleine Hankele-Gauß
Mädchen wählt lachendes Emoji aus

Getty/Fotosipsak

Die Zwischentöne digitaler Kommunikation

Das zweite Paket mit Unterrichtsmaterial für die Kampagne „Bitte was?! Kontern gegen Fake und Hass“ der Landesregierung Baden-Württemberg ist erschienen. Die Lehrmaterialien zum Thema Kommunikation im Netz sollen Kinder und Jugendliche dafür sensibilisieren, auf sozialen Netzwerken und in Messengern respektvolle Posts, Chat-Nachrichten und Kommentare zu verfassen. Die Zielgruppe sind Grundschüler/-innen sowie Schüler/-innen der Sekundarstufe I. Nach Abschluss der Kampagne werden die Materialien in der Online-Mediathek SESAM zur Verfügung gestellt.

„Das hast du aber toll gemacht“: In einem direkten Gespräch von Angesicht zu Angesicht wäre schnell klar, ob der Sprecher diesen Satz als Lob, Ironie oder gar wütenden Kommentar gemeint hat. In einem Online-Chat fällt es dem digitalen Gegenüber hingegen viel schwerer, den Satz richtig zu interpretieren. Woran liegt das? Und wie können wir Missverständnissen im digitalen Gespräch entgegenwirken?

Anhand des Unterrichtsmaterials von „Bitte was?!“ vergleichen Grundschüler/-innen zum Beispiel, wie sich die Wirkung von Chatkommentaren verändert, wenn unterschiedliche Emojis hinzugefügt oder gänzlich weggelassen werden. Dabei wird schnell deutlich: In virtuellen Gesprächen macht nicht der Ton, sondern das Emoji die Musik. An die Stelle der abwesenden Mimik und Gestik, Stimme und Tonlage treten Emojis und GIFs. Diese sollten daher aktiv eingesetzt werden, um die Sprechabsicht zu verdeutlichen.

Hauptstrategien gegen Hatespeech

Hauptstrategien gegen Hatespeech

Hatespeech mit DON-Test entlarven

Verfasser von Hasskommentaren im Netz möchten ihre Sprechabsicht dagegen häufig verschleiern. Aus diesem Grund geben die Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I den Schüler/-innen verschiedene Strategien an die Hand, um Hatespeech zu entlarven. Mit dem DON-Test für Sexismus eignen sich die Jugendlichen etwa eine Eselsbrücke für den Kommunikationsalltag im World Wide Web an. Hiermit lassen sich Kommentare, die Frauen degradieren, als Objekt darstellen oder die Unterschiede zwischen Mann und Frau als naturgegeben einstufen, als sexistisch identifizieren. Darunter würde etwa der Kommentar fallen: „Männer sind von Natur aus stärker als Frauen.“
 

Vier Hauptstrategien gegen Hatespeech

Neben Sprachtests lernen die Schüler/-innen ebenfalls vier Hauptstrategien gegen Hatespeech kennen und diskutieren deren Vor- und Nachteile. So steht bei der Strategie „Ignorieren“ dem Vorteil, Hasskommentaren keine Aufmerksamkeit zu schenken, der Nachteil gegenüber, dass Debatten im Netz im Umkehrschluss von lauten aggressiven Gruppen dominiert werden.

Beleidigungen und Kommentare abseits des Themas zu löschen oder zu verbergen ist Teil der Strategie „Moderieren“. Zwar stärkt diese die Beteiligung von diskriminierten Minderheiten, birgt jedoch gleichzeitig die Gefahr von Zensur und ist sehr aufwendig. Noch zeitaufwendiger ist die Strategie „Diskutieren“, bei der zusätzliche Quellen zu einem Thema angeboten werden. Von der Strategie „Ironisieren“ ist eher abzuraten, da sie schnell zu verhärteten Fronten führen kann.

Die Materialsammlung im Überblick

 

Zur Homepage der Kampagne Bitte was?!

Madeleine Hankele-Gauß

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